Multireligiöse Rom – Reise in den Semesterferien 2019


Die Multireligiöse Plattform Innsbruck – kurz MRPI – war von Montag den 10. bis Freitag den 15. Februar mit 52 Mitreisenden, darunter die offiziellen VertreterInnen aus vier verschiedenen Glaubensgemeinschaften, in der Ewigen Stadt Rom.

Neben den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten, wie etwa das Kolosseum und das Forum Romanum, wurden auch die großen Zentren der abrahamitischen Religionen besucht, darunter der Vatikanstaat und der Petersdom der Römisch-Katholischen Kirche, die große Synagoge der jüdischen Gemeinde, der Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die größte Moschee Europas für sämtliche islamische Glaubensbekenntnisse.

Ziel der seit 2011 gegründeten Plattform ist nicht nur der Dialog, die Akzeptanz und Toleranz zwischen den Religionen, sondern auch ein besonderes Gemeinschaftsgefühl und Miteinander zu schaffen. Diese multireligiöse Verbundenheit und zwischenmenschliche Beziehungen wurden auch in der Reise nach Rom sehr gestärkt. Der derzeitige Sprecher der MRPI und Bischof der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Gerhard Egger, sagte zur Rom-Woche folgendes: „Ich hatte diese Vision, mit einer multireligiösen Gruppe aus Jugendlichen und Erwachsenen nach Rom zu reisen, speziell auch zur Zeit der Tage der offenen Tür des Tempels der Kirche Jesu Christi. Und so wie Gott will, war gerade in den Semesterferien, dem geplanten Reisetermin, dieses Zeitfenster der Tage der offenen Tür. Das hat mir persönlich große Freude bereitet und den Mitreisenden einen tiefen Einblick in unser religiöses Leben gegeben.“

Der erst vor kurzem fertiggestellte Tempel der Kirche Jesu Christi in Italien ist nur für etwa einen Monat für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Nach der Weihung des Tempels im März 2019 können ihn nur Mitglieder besuchen. Die Gartenanlage und das Besucherzentrum, in dem eine Nachbildung der berühmten Christus-Statue aus der Frauenkirche in Kopenhagen zusammen mit den 12 Apostel steht, ist jedoch für jeden frei zugänglich.

Diese Woche verging leider viel zu schnell und Timo Heimerdinger, Vertreter der Evangelischen Kirche und Universitätsprofessor der Uni Innsbruck meinte abschließend: „Wir kehren wirklich beschenkt und bereichert und mit vielen menschlichen Begegnungen gesegnet – das sag ich jetzt bei diesem Anlass ganz bewusst – wieder zurück nach Innsbruck.“

Eindrücke verschiedener TeilnehmerInnen:

Margit Dremel (stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes Tirol):

Ich bin jetzt bei dieser Reise mitgefahren und war sehr begeistert von diesem Programm, das wir in Rom absolviert haben. Ich habe sehr viel für mich mitgenommen. Was mir sehr gut gefallen hat, das war das multireligiöse Miteinander und der Besuch der verschiedenen religiösen Stätten mit sehr viel erhaltenen Informationen. Auch das Quiz das wir bekommen haben, wo zu jeder Religion viele Fragen gestellt wurden und diese beantwortet wurden – das habe ich sehr interessant und sehr anspruchsvoll gefunden. Ich habe einfach sehr viele neue Informationen für mich wieder mitnehmen können. Diese Gruppe war einfach sehr bereichernd weil wir uns bestmöglich ausgetauscht haben. Es war ein sehr gutes Miteinander und wir haben festgestellt, dass wir alle eigentlich das gleiche Ziel verfolgen. Wir wollen eigentlich friedlich zusammen leben und den anderen so akzeptieren in seiner Religion, in seinem Dasein, wie er ist. Auch dass wir gut zusammen auskommen können und, das wünschen wir uns eigentlich alle, dass Frieden auf der Erde herrscht. Auch dass wir gut zusammen miteinander leben können. Dass das Verbindende und Gemeinsame im Vordergrund steht und eigentlich die Unterschiede, oder das Trennende relativ ganz gering ist und eigentlich nicht ins Gewicht fallen soll. Wir wollen alle gestärkt werden in dem Dasein und in unserem Tun.
Nachdem eigentlich viele Köche oft nicht den Brei verderben, sondern die Suppe dadurch besser werden kann, wenn man verschiedene Zutaten dazugibt, denke ich, ist das eigentlich eine gute Metapher für die verschiedenen Religionen. Und wir sollen auch sagen, dass wir zusammen gut kochen können und ich denke, dass alle Zutaten die man braucht sich vielleicht in allen Religion wiederfinden, da muss man eben genau hinschauen.

Gerhard Egger (Bischof) – Schlussworte an die Mitreisenden

Ich hoffe, aber eigentlich erkenne ich es an den Gesprächen, die ich schon geführt habe, dass es euch gut gefallen hat. Ich weiß, dass, auch wenn wir unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlicher Traditionen sind, wir sind alle vom selben Stamm, nämlich der göttlicher Natur, abstammen. Wir sind alle Brüder und Schwestern und wir haben heute zum Beispiel in der Synagoge gehört, dass Juden auf das Kommen des Messias weiterhin warten. Sie sagen, er wird kommen, wenn auf dieser Erde Friede herrscht. Friede kann nur existieren und Zustandekommen, wenn es Menschen auf der Erde gibt, wie ihr es seid. Deswegen noch einmal ein ganz ganz herzliches Dankeschön an euch, dass ihr mitgemacht habt, denn euer Mitwirken ist für mich das größte Geschenk, danke.

Samir Redzepovic (Imam)

Das war wirklich eine sehr schöne Reise mit vielen Menschen. Viele von uns haben uns zum ersten Mal gesehen, aber trotzdem war es sehr angenehm und bereichernd so viele Menschen aus unterschiedlichen Traditionen, Religionen kennenzulernen und sich auszutauschen. Auch das Programm in Rom war sehr intensiv. Ich glaub, wir haben in vier Tagen etwas gesehen, wofür man mindestens zehn Tage oder zwei Wochen braucht. Es hatte mit Religion etwas zu tun, es hatte auch mit der Geschichte etwas zu tun, also von mehreren Seiten kann man die gesammelten Erfahrungen betrachten. Die Romreise ist, wie soll ich sagen, sicher auch für Muslime interessant. Allein mit der Familie nach Rom zu reisen, ist jetzt nicht so vordringlich, man hat ja auch viele andere Reiseziele. Aber ja, ich würde es noch einmal machen, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Ich meine, es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis an einem so wichtigen Ort für viele Christen zu sein und noch dazu mit so einer gemischten Gruppe eine Synagoge, eine Moschee und eben den Sitz des Papstes zu besuchen. Diese ganzen Orte spielen eine sehr wichtige Rolle und haben einen wichtigen Platz in der Religion und in der Geschichte.

Timo Heimerdinger (Univ.-Prof., Dr.)

Wir hätten ohne den Gerhard diese Romreise nicht machen können. Es war seine Anregung, es war seine Idee nach Rom zu fahren und er hat in den letzten Monaten, was wir gar nicht erwartet hätten, wirklich sehr viel vorbereitet und geplant. … Wir kehren wirklich beschenkt und bereichert und mit viele menschlichen Begegnungen gesegnet – das sag ich jetzt mal bei diesem Anlass ganz bewusst – wieder zurück.

Hannah Grünauer (Studentin)

Für mich war’s richtig cool mit so einer Gruppe mit voll vielen verschiedenen Leuten zusammen zu sein und doch aber Gemeinsamkeiten zu finden. Die verschiedenen, besonderen Plätze anzuschauen, die verschiedenen Kirchen zu sehen und zu sehen, wie die verschiedenen Menschen einfach Gott verherrlichen. Das war für mich das coolste.

Desiree Egger (Studentin)

Es war interessant wie sich eine Gruppe, die sich vorher nicht gekannt hat, finden konnte und so viel Toleranz und Akzeptanz vorhanden war.

Christian Szabo (Student)

Mir hat sehr gut gefallen, dass in einer Stadt auch so viele Religionen zusammenkommen und man trotzdem spürt, dass jeder Interesse an den anderen hat und keiner den anderen ausschließen möchte.